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Ist die Zukunft der Information Worker vorbei bevor sie begonnen hat?

11.01.2008

Gedanken zwischen Optimismus und Pessimismus.

Wir von OSN heissen Sie auch im neuen Jahr willkommen in unserem Blog für Information Worker. Wir wollen Sie hier wie bisher in regelmässig-unregelmässigen Abständen über Erfahrungen und Wissenswertes zum Thema Information Worker und eCollaboration auf dem Laufenden halten. Und wer weiss: vielleicht melden Sie sich ja mal mit Ihren eigenen Gedanken oder Kommentaren in unserem Blog zu Wort? Sie sind eingeladen zum mitbloggen. Schreiben Sie uns!

Passend zum Jahreswechsel habe ich mir für diesen Blogbeitrag vorgenommen, einige Gedanken zur Zukunft der Information Worker zu formulieren. Als ich dafür ein paar Google-Recherchen gemacht habe, hat mich jedoch bald ein mulmiges Gefühl beschlichen.

Ist die Zukunft schon vorbei?

Kann es sein, dass die Zukunft der Information Worker vorbei ist, bevor sie angefangen hat? Viele interessante Artikel zur Arbeitswelt der Information Worker stammen aus den Jahren 2000 bis 2002, sind also schon älteren Datums. Aber sie lesen sich noch heute (2008), als ob sie erst gestern geschrieben worden sind. Hat sich in den vergangenen sechs bis acht Jahren tatsächlich so wenig getan am Arbeitsplatz der Information Worker? Ja und Nein.

Wenn man den Verkaufsstatistiken der Software-Anbieter und den verschiedenen Listen mit Top IT-Themen von Gartner oder Forrester Glauben schenken darf, dann ist in den letzten Jahren massiv in neue ICT-Technologien investiert worden. Aber offenbar haben diese gewaltigen Investitionen keinen spürbaren Impact auf den Arbeitsplatz der Information Worker gehabt. Eine Studie des Fraunhofer Instituts zur Performance der Information Worker aus dem Jahre 2006 kommt nämlich zum Schluss, dass sich die von den Usern wahrgenommene IT-Güte (und damit der IT-Anwendernutzen) seit der letzten Studie im Jahr 2003 nicht verbessert hat.

So kommt es nicht von ungefähr, dass das Fraunhofer-Institut in seinem Forschungsbericht für die Jahre 2006 bis 2008 „Mehraufwände im Nachdenken und keine Mehraufwände an Investitionen“ fordert.

Das Fraunhofer-Institut verortet die grössten Performance-Beeinträchtigungen im mangelnden Verständnis der Information Worker für die Möglichkeiten und Funktionsweisen der neuen ICT-Technologien. Das scheint mir eine interessante Schlussfolgerung zu sein und es soll mir an dieser Stelle die Frage erlaubt sein:

Wer hat hier was nicht verstanden?

Haben tatsächlich die Information Worker die Technologie nicht richtig verstanden – oder wurden vielleicht nicht vielmehr in den unzähligen ICT-Projekten der Vergangenheit die Arbeitswelt der Information Worker nicht genau verstanden?

ICT-Projekte zeichnen sich aus unserer Erfahrung notorisch durch eine fehlende Ganzheitlichkeit aus – egal ob es sich dabei um eine Collaboration-Plattform, ein Enterprise Portal oder ein Dokumentenmanagement-System handelt. ICT-Projekte werden in der Regel mit einem einseitigen Fokus realisiert und es ist diese eingeschränkte Sichtweise der ICT-Projekte, die meiner Meinung nach der wahre Grund für die grössten Performance-Beeinträchtigungen ist. Zu nennen wären da zur Hauptsache die folgenden drei Mängel in der Umsetzung von ICT-Projekten:

  • Technologie ohne Berücksichtigung der Prozesse und Team-Kulturen
    ICT-Projekte sind IT-Projekte statt Organisationsprojekte. Neue Technologien können zwar Arbeitserleichterungen für Information Worker bringen, aber nur, wenn diese Technologien auch anschlussfähig sind an die Aufgaben, Routinen und Teamkulturen der Information Worker. Wie ein derart ganzheitliches Projektdesign auszusehen hat, das haben wir an anderer Stelle schon beschrieben.
  • Team-Ebene ohne Einbezug der persönlichen Ebene
    Vor allem eCollaboration-Projekte beschränken sie häufig auf die Anforderungen und Auswirkungen der Technologie auf der Team-Ebene. Dort fängt eCollaboration zwar an – aber dort hört eCollaboration nicht auf. Ein Team-Arbeitsplatz, der nicht oder nur ungenügend mit dem persönlichen Desktop bzw. der persönlichen Arbeitstechnik verzahnt ist, der wird sich nie zu einer lebendigen Arbeits-Drehscheibe entwickeln. Der Einsatz neuer ICT-Technologien muss daher immer einhergehen mit der Anpassung und Weiterentwicklung der eigenen, persönlichen Arbeitstechnik. Doch das kann nachhaltig nur durch eine kontinuierliche Schulung und Unterstützung on-the-job gelingen. Daher ist mitlaufendes Coaching der Information Worker ein wichtiger Bestandteil eines jeden ICT-Projekts.
  • Einzel-Applikationen ohne die Klammer eines Gesamtkonzepts
    Nur zu häufig fehlt es den Unternehmen auch an einem Gesamtkonzept für den Einsatz der neuen ICT-Technologien. Vernetzte Fragestellungen und Anforderungen werden in einzelnen, inhaltlich nicht verknüpften Projekten bearbeitet. So wird beispielsweise die Ablösung eines bestehenden Intranets losgelöst von anderen Anforderungen, wie z.B. dem Einsatz einer Collaboration-Plattform oder eines Dokumentenmanagement-Systems beurteilt und entschieden. So erstaunt es nicht, wenn statt der gewünschten Prozess-Durchgängigkeit neue Schnittstellen und Doppel¬spurig¬keiten geschaffen werden.

Das sind drei Ansatzpunkte, um ICT-Lösungen mehr Anwendernutzen zu verleihen und die wahrgenommene IT-Güte zu steigern. Damit liegt die Lösung des Performance-Paradoxons der Information Worker auf der Hand: Der Weg zu einer besseren Information Worker Performance führt über ein besseres, d.h. integriertes Projektdesign für die Einführung der neuen ICT-Technologien.

Das sollte doch zu schaffen sein!

So gesehen ist die Verbesserung der Information Worker Performance vielleicht doch nicht ein so hoffnungsloser Fall, wie es mich meine Internet-Recherche anfänglich hat befürchten lassen. Vielleicht brauchen wir vor allem mehr Geduld und Hartnäckigkeit in der Verfolgung unserer Ziele.

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Reaktionen auf diesen Beitrag:

E-Mail-Kommentar von Laurent Dieterich:

„Für mich ist ganz klar die IC-Technologie viel weiter als die (korrekte) Umsetzung/Nutzung. Einmal mehr. Die Technologie zieht (uns) nach vorne und es braucht Jahre bis sie wirklich genutzt wird, so wie ursprünglich aus den Köpfen von Visionären entstanden. Dem entsprechend haben wir folgende Möglichkeiten bzw. folgendes zu tun:

  • Die Technologie richtig verstehen. Was ist die Idee dahinter? Wie haben sich das die Visionäre vorgestellt? Dies soll auf oberster Ebene des Unternehmens geschehen.
  • Den Gap zwischen den IST und SOLL (in dem Fall KANN) für das eigene Unternehmen, bzw. für sich selber formulieren. Was bedeutet das? Wie wollen wir hin? Welche Schritte? Wie sieht die Zeitachse aus?
  • Daraus ein globales Arbeits- und Kommunikationskonzept entwickeln und von Firmenebene auf Division/Abteilungsebene herunterbrechen.
  • Dieses dann pilotieren und viral ausbreiten.